Die Revolution ist das größte, alles andere ist Quark.
Rosa Luxemburg

Mittwoch, Februar 23, 2005

»Ich bin potenziell Verbrecher«

Deutsche Tauschbörsennutzer kämpfen für die Kulturflatrate

Fairsharing - das bedeutet so viel wie fairer Tausch und klingt wie Filesharing - also das tauschen von Dateien über Tauschbörsen. Fairsharing ist der Name einer Kampagne von z.B. Attac, FoBued und deutschen Tauschbörsennutzern. Die wollen nämlich endlich nicht mehr die Musik töten oder Angst vorm Knast haben, sondern in aller Seelenruhe die neuesten Kinokracher aus dem Netz saugen. Denn, wie die Industrie weiss: »Filme illegal kopieren und verticken ist nicht cool, sondern genau so ein Verbrechen wie DVDs klauen und auf dem Flohmarkt verkaufen.«

Da zwar alle wissen, dass Filme illegal kopieren ziemlich cool ist, und die wenigsten diese Filme verticken sondern eher gratis mit ihren Kumpels tauschen, wollen die Kampagnenbetreiber das Treiben legalisieren: Nutzer von Breitbandanschlüssen sollen eine Pauschalabgabe zahlen, die dann prozentual nach Erfolg der Produkte an die Urheber ausgeschüttet wird. Ein solches System ist nicht neu: die GEMA praktiziert dies zum Beispiel mit Diskotheken oder Kneipen: hier wird in der Regel nicht nach den einzelnen Titeln die gespielt wurden abgerechnet. Eine Pauschale wandert in den GEMA-Topf und wird entsprechend der Verkaufszahlen einzelner Platten an die Künstler ausgeschüttet.

Leider ist dieses System alles andere als fair, denn kaum bekannte Künstler bekommen immer nur wenige Prozent der Ausschüttung - unabhängig davon ob sie den ganzen Tag in einer Kneipe laufen. In der Regel sind hier die GEMA-Mitgliedsbeiträge höher als die Gebürenausschüttung. Die aktuellen Stars kriegen den Löwenanteil. Als kleiner Musiker macht es also kaum Sinn, einer Verwertungsgesellschaft beizutreten.



Beim Filesharing wäre das das gleiche. Eine Koppelung der Ausschüttungen an die Verkaufszahlen ist hier sogar ziemlich unlogisch: Was runtergeladen wird, wird bekanntlich nicht unbedingt mehr gekauft. Fair könnte man das System nur durch nachprüfbare Download-Statistiken gestalten - was aber an der Umsetzung wahrscheinlich scheitert. Die Programmiererteams der Tauschbörsen kann man wohl kaum zwingen solche Mechanismen in die Software einzubauen. Zu guter letzt dürften nicht nur Musik- und Filmproduzenten an dem System beteiligt werden: Ein nicht unerheblicher Teil der getauschten Dateien sind gecrackte Programme.

Immerhin könnte man mit einer solchen Kulturflatrate die Content-Industrie abspeisen, als Tauschbörsennutzer hätte man endlich Ruhe. Eine Ideallösung ist sie leider nicht und bis sich die Politik mit der Industrie und den Nutzern geeinigt hat, sharen wir einfach fröhlich weiter.

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